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Professor Bernhardi

von Arthur Schnitzler
Fassung von Thomas Ostermeier und Florian Borchmeyer

 

Schaubühne am Lehniner Platz Berlin 

Internist Bernhardi, Direktor einer renommierten Privatklinik, verweigert einem Pfarrer den Zugang zum Zimmer einer Patientin, der dieser die Sterbesakramente spenden möchte. Im Endstadium einer tödlichen Blutvergiftung, Folge einer unsachgemäßen Abtreibung, deliriert die junge Frau, sie sei völlig geheilt. Bernhardi hält es für seine ärztlich-humanistische Pflicht, ihr ein »glückliches Sterben« zu ermöglichen und sie nicht aus dieser Illusion zu reißen. Der Pfarrer wiederum besteht auf seinem religiösen Auftrag als Seelsorger. Beide scheitern: Während sie diskutieren, verstirbt die Kranke – zuvor noch alarmiert durch das Pflegepersonal, das gegen den Willen des Arztes den Besuch des Pfarrers ankündigte.

Für den jüdischstämmigen Bernhardi weitet sich der unglückliche Zwischenfall rasch zu einem politischen Skandal aus, der seine Existenz und die der Klinik zu ruinieren droht. Ihm wird ein gezielter Übergriff auf religiöse Gefühle von Christen unterstellt. Bald bricht ein latent grassierender Antisemitismus überall offen zutage. Der Stiftungsrat des Instituts tritt aus Protest gegen Bernhardi zurück. Konkurrenten in der Ärzteschaft nutzen gezielt antijüdische Ressentiments, um Bernhardi zu suspendieren und so sich und ihre Freunde in die Leitungspositionen zu bringen. Im Parlament erreichen rechte Populisten gar die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Bernhardi. Schließlich versagt selbst der zuständige Minister, Bernhardis Studienfreund Flint, ihm die Unterstützung, um für diesen Einzelfall nicht sein politisches Programm in Gefahr zu bringen. Dafür erfährt Bernhardi plötzlich die Solidarität linker Kreise, die ihn zum Märtyrer machen wollen. Doch er möchte sich nicht für ihre politischen Ziele instrumentalisieren lassen – und verzichtet bewusst auf einen öffentlichen Kampf gegen die Lügen und für seine Rehabilitierung.

»Professor Bernhardi« ist einer der wenigen dramatischen Texte, die minutiös einen beruflichen Kontext jenseits der emotionalen und familiären Hintergründe seiner Figuren entfalten. Die Arbeitswelt des Krankenhauses wird zugleich zum modellhaften Ausschnitt einer von Karrierismus, Konkurrenz und Ressentiment dominierten Gesellschaft, deren unterschwellige Triebkraft der Antisemitismus ist. In seiner Inszenierung von Schnitzlers Komödie – als die der Autor sein Stück doppelbödig bezeichnete – geht Thomas Ostermeier dabei besonders der Frage nach, wie ein isolierter Vorfall von einer Gruppe systematisch für die eigenen Machtbestrebungen und Partikularinteressen instrumentalisiert werden kann; wie scheinbar unbestreitbare Fakten diskursiv so weit verbogen und relativiert werden, bis das »objektiv Richtige« zusehends seine bestimmbaren Konturen verliert. Was bleibt von der Wahrheit übrig, wenn sie zwischen divergierenden Deutungen immer weiter zerrieben wird?


TRAILER

Quelle: YouTube


KREATIVTEAM

Regie

Thomas Ostermeier

 

Bühne

Jan Pappelbaum 

 

Kostüme

Nina Wetzel 

 

Musik

Malte Beckenbach 

 

Ko-Komposition

Simon James Phillips 

 

Bildregie

Matthias Schellenberg 

 

Kamera

Moritz von Dungern

Joseph Campbell

Florian Baumgarten 

 

Videodesign

Jake Witlen 

 

Dramaturgie

Florian Borchmeyer 

 

Licht

Erich Schneider 

 

Wandzeichnungen

Katharina Ziemke

BESETZUNG

Dr. Bernhardi

Jörg Hartmann 

 

Dr. Ebenwald

Sebastian Schwarz 

 

Dr. Cyprian

Thomas Bading 

 

Dr. Pflugfelder

Robert Beyer 

 

Dr. Filitz

Konrad Singer

 

Dr. Tugendvetter

Johannes Flaschberger 

 

Dr. Löwenstein

Lukas Turtur 

 

Dr. Schreimann/Kulka, ein Journalist

David Ruland 

 

Dr. Adler

Eva Meckbach 

 

Dr. Oskar Bernhardi

Damir Avdic 

 

Dr. Wenger/Krankenschwester

Veronika Bachfischer 

 

Hochroitzpointner

Moritz Gottwald 

 

Professor Dr. Flint

Hans-Jochen Wagner

 

Ministerialrat Dr. Winkler

Christoph Gawenda 

 

Franz Reder, Pfarrer

Laurenz Laufenberg



Foto im Hintergrund: Marcus Dallüge, (c) 2016